Warum helfen?

Oft bekommen wir auf unserer verzweifelten Suche nach Familien und Pflegeplätzen für gerettete Hunde zu hören, dass die deutschen Tierheime „ja zu voll“ seien und man doch lieber „deutsche Hunde vermitteln“ solle. Auch sehr beliebt ist die Aussage, die Hunde aus dem Ausland würden den deutschen Hunden die Plätze in Pflegestellen und Familien „wegnehmen“. Zu diesen Vorurteilen gesellt sich dann meistens auch noch ein gewisses Misstrauen gegenüber Hunden aus dem Ausland hinzu: „Die haben ja keine Papiere und sind immer nur krank.“ Man muss dazu sagen, dass dieses Misstrauen sicherlich durch illegalen Hundehandel begünstigt wird, dies trifft aber auf uns und viele Tierschutzorganisationen nicht zu. Seriöse Organisationen verdienen an den Hunden nichts. Die Schutzgebühr, die Sie an Tierschutzorganisationen oder ein Tierheim zahlen, dient lediglich zur Deckung der entstehenden Kosten. Es sollte nicht vergessen werden, dass auch unvermittelbare „Langzeitinsassen“ in einem Tierheim finanziert werden müssen (die in der Regel deutsche Hunde sind). Zudem haben die Hunde den EU-Bestimmungen entsprechende Impfdokumente und sind gechipt, auch werden sie von uns vor Abgabe gegen Parasiten behandelt. Natürlich kann es vorkommen, dass ein Hund im Nachhinein eine weitere Wurmkur benötigt oder auch krank wird, dies kann aber auch bei einem Hund passieren, der vom Züchter kommt. In der Regel werden von uns nur augenscheinlich gesunde Tiere zur Vermittlung ausgesucht, die zusätzlich noch von einer deutschen Tierärztin in Spanien untersucht werden. Wie ein Tier sich weiterhin entwickelt, kann aber natürlich niemand vorhersagen.

 

Nun zum Wesentlichen, der Frage, warum Sie helfen sollten: Die Bedingungen, unter denen Hunde im Ausland (das gilt also nicht nur für Spanien) leben müssen, liegen außerhalb unserer Vorstellungskraft. Hier ein Beispiel zu Spanien: Die Hunde, die auf der Straße leben, werden von Hundefängern brutal eingefangen und in sogenannte „Perreras“ (Tötungsstationen) gebracht. Diese können privat oder staatlich organisiert sein. Die Gemeinden zahlen Geld dafür, dass die Hundefänger die Hunde einfangen und töten. In der Regel verbleiben die Hunde zehn Tage in der Perrara, bevor sie vergast werden. Während dieser Zeit bekommen die Tiere in vielen Perreras nur Wasser, aber keinen Tierarzt oder Futter. Die Tiere sind zumeist krank, geschwächt und völlig verstört, zumal die Käfige viel zu klein sind für die Anzahl der Hunde, die darin gefangen gehalten werden.

 

Cereco, Perrera Crevillente

Leider treffen die Hundefänger nicht nur Streuner auf der Straße an. Nicht selten bringen Hundebesitzer ihre Hunde auch selbst zur Perrera und geben sie dort ab, weil sie alt, krank oder einfach nur lästig geworden sind. Während die Hunde sich auf dem Weg zu einem Spaziergang wähnen, landen sie am Ende in der Tötung, wo sie plötzlich ohne ihre Familie und die vertraute Umgebung auf den Tod warten. Manche, die in diese Länder in Urlaub fahren, mögen die Existenz der Perreras bezweifeln, schließlich ist ihnen SOWAS noch nie untergekommen! Davon müsste man doch etwas mitkriegen?! Hierzu ist zu sagen: Perreras befinden sich eigentlich immer außerhalb der Ortschaften, zumeist in Industriegebieten. Sie sind getarnt als unscheinbare Fabrikgebäude oder Lagerhallen und von selbigen nicht zu unterscheiden. Der Grund hierfür liegt auf der Hand: Wie schockiert wären SIE als Tourist, wenn sie von solch einer Einrichtung unmittelbar etwas mitbekämen? Das ist Tourismus schädigend, zudem würden sich Anwohner durch den Krach der stets vor Verzweiflung, Hunger, Durst und Schmerzen bellenden und winselnden Hunde gestört fühlen.

In seltenen Fällen gibt es Adoptionszentren, die an manche Perreras angeschlossen sind. Hier bekommen ausgewählte Hunde eine Gnadenfrist bzw. zweite Chance. ADOPTION CERECO Für jeden Hund, der dort adoptiert wird, können die Helfer in die Perrera fahren und einen weiteren Hund dort herausholen. In den Zentren erhält man die Hunde aber natürlich nicht umsonst, wie man vielleicht denken würde: „Die sind doch froh, wenn sie die Hunde los sind? Warum kosten die Geld?“ Die Adoptionszentren müssen den Tötungsstationen Geld bezahlen, um die Hunde auszulösen, da diesen ja ansonsten das Geld für die Tötung der Tiere verloren ginge. Verbleiben die Hunde zu lange in den Zentren, läuft ihre Frist ab und sie müssen wieder in die Perrera zurück. Diese Zentren haben zumeist selbst kaum Geld, um die Rettung der Tiere zu finanzieren und sind bei einem Großteil der Bevölkerung auch nicht besonders gut angesehen.

Vielleicht haben Sie sich an dieser Stelle bereits selbst die berechtigte Frage gestellt: Wieso gibt es in Spanien und anderen Ländern eigentlich so viele Straßenhunde? Diese Frage ist schnell beantwortet. In den meisten Ländern werden die Hunde nicht kastriert (was zum einen sowohl finanzielle als auch traditionelle Gründe hat) und dürfen sich oft unkontrolliert frei bewegen, oftmals büchsen sie auch aus, werden ausgesetzt (siehe die vielen Podencos in Spanien, die ausgesetzt oder aufgehängt werden, weil sie als Jagdhunde nichts taugen) oder gehen einfach verloren. Die Hunde vermehren sich so natürlich stets unkontrolliert weiter. Es sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass die Brutalität, mit der gegen Hunde im Ausland vorgegangen wird, deutlich höher als bei uns in Deutschland ist.

Abschließend stellt sich für Sie vielleicht noch die Frage, warum wir uns gerade so für spanische Straßenhunde einsetzen. Gerade die spanischen Hunde fallen durch ein äußerst freundliches Wesen auf und sind deshalb zu unseren „Steckenhunden“ geworden, gerade weil wir selbst einige unserer Hunde auch aus dieser Region haben, die entweder aus dem Tierheim kommen oder die wir selbst gerettet haben. Wer schon einmal einen spanischen Hund hatte, weiß, wovon wir sprechen. Daher bitten wir Sie von Herzen, uns zu unterstützen, wenigstens ein paar dieser Hunde zu retten und ihnen ein Zuhause zu geben, so, wie sie es unserer Meinung nach verdient haben.