Rettungsaktion und Reisebericht Spanien Herbst 2012 (mit Bildern)

Reisebericht Herbst 2012

Liebe Leserinnen und Leser, damit Sie einen besseren Eindruck von unserer Arbeit in Spanien erhalten, möchten wir Ihnen gerne einen Einblick in unseren Spanienurlaub im Herbst 2012 geben. Wir wünschen viel Spaß beim Lesen :-)

Reise

Nachdem  wir nach einem mehr oder weniger anstrengenden letzten Schultag erfolgreich das Auto bis unters Dach mit Frau Piringers Hunden, unseren Reiseutensilien und Tierschutzmaterial voll gepackt hatten, starteten wir mit einiger Verspätung gegen 17.00 gen Süden. Wie gewöhnlich lagen ca. 20 Stunden Fahrt vor uns. Normale Menschen würden vermutlich unterwegs in einem Hotel übernachten, mit vier Hunden im Gepäck ist das allerdings ein Ding der Unmöglichkeit. Zudem erwähnten wir ja bereits, dass der Wahnsinn in unseren Urlauben und auch unseren Aktionen allgegenwärtig ist. Wir kämpften uns also tapfer bis in den späten Abend hinein durch die Schweiz nach Frankreich durch, legten unzählige Pausen für uns und die Hunde ein, zum Gassi Gehen, Füttern, Pausieren, Beine Vertreten,  Kaffee Ordern, etc. Irgendwann in den frühen Morgenstunden kamen wir an der spanischen Grenze an, tuckerten weiter und langten gegen Mittag in Valencia an, von wo aus wir unser Ferienhaus in Pedreguer in einer Stunde erreichten.

Eine unangenehme Überraschung

Dieses Mal hatten wir aufgrund von Überbuchung ein anderes Feriendomizil gewählt als sonst, zu unserem Entsetzen entsprach dies nicht im Mindesten unseren Erwartungen und den Fotos im Internet. Nun, den Hunden gefiel es erst einmal und da wir vor Übermüdung beinahe umfielen, nahmen wir die gegebenen Bedingungen erst einmal so hin, packten  resigniert das Auto aus und richteten  uns „häuslich“ ein, sofern das in dieser Umgebung möglich war. Wie sich später noch herausstellte, hatte auch Frau Piringers Auto Schaden durch das fremde Haus genommen, sie hatte sich an der ungepflegten und maroden Einfahrt einen Reifen angeschlitzt, der stetig Luft verlor und uns während der folgenden Woche fast den letzten Nerv raubte (unzählige Autofahrten zur Werkstatt). In den folgenden Tagen starteten wir daher vor Zorn und Enttäuschung mit der Buchungsagentur einen erbitterten Kampf um ein anderes Ferienhaus, den wir schließlich auch glücklicherweise gewannen. Man ließ uns in unserer angestammtes Haus umziehen, das nach einer vergangenen Woche nun doch wieder frei war. Für Frau Piringers Hunde und die Hunde aus dem Tierschutz bietet es ideale Bedingungen. Das Grundstück ist riesig und komplett 100% ausbruchssicher, der Pool hat eine Treppe, sodass kein Hund dort unbeobachtet hineinstürzen und ertrinken kann, es gibt viel für die Neulinge zu entdecken und jede Menge schattige und sonnige Plätzchen. Auch das Haus ist geräumig und bietet uns und den Tieren viel Platz. Kurz gesagt, wir waren glücklich und unsere Rettungsaktion konnte beginnen.

Hunderettung 2012: Dora, Yasmina, Fox, Cesko und Narnia

Wir hatten uns dieses Mal viel Arbeit und Mühe erspart, indem wir im Vorfeld mit der Auffangstation, und dem Adoptionszentrum, mit der/mit dem wir zusammenarbeiten, korrespondiert und Hunde ausgewählt hatten, zudem hatten wir bereits vor unserem Urlaub potentielle Pflege- und Endstellen für die Tiere ausgemacht, es ging nun nur noch darum, ob die von uns gewählten Hunde auch zu den Besitzern passen würden. Dennoch lag eine Menge Arbeit vor uns, die komplette zweite Urlaubswoche war daher ausgebucht. Zunächst einmal mussten wir unsere Flugpatin vom eine Stunde entfernten Flughafen in Valencia abholen. Sie hatte die großen Hundeboxen dabei, die wir nicht im Auto hatten mitnehmen können. In Deutschland hatte Frau Piringer diese in Mannheim als Leihgabe abgeholt, ich hatte sie flugfertig gemacht und zu unserer Flugpatin nach Frankfurt gebracht. Der Flug kam pünktlich, so konnten wir Patin samt Boxen zügig nach Hause bringen.

Eine Frage der Organisation

In den folgenden Tagen mussten die Hunde geholt werden. Dies erfordert jedes Mal einen großen organisatorischen Aufwand, da wir nicht alle Hunde auf einmal ins Haus nehmen können (das würde den Rahmen sprengen) und da wir auch genau überlegen müssen, welche Hunde wir im Auto mitnehmen wollen und daher mit Frau Piringers Hunden möglichst schnell sozialisieren müssen und welche Hunde wir mit dem Flugzeug nach Hause schicken werden. Das Ganze ist ein bisschen wie eine mathematische Gleichung, man versucht, die richtigen Komponenten zusammenzubringen und auf die korrekte Lösung zu kommen. Nach einigem Herumpuzzeln hatten wir die richtige Kombination gefunden. Wir entschieden uns, zuerst zur Auffangstation von Kerstin Wegel zu fahren, die ca. eineinhalb Stunden von Pedreguer entfernt liegt. Knapp über 50 Hunde leben in ihrer Station, sie rettet Hunde aus der Tötung in Crevillente, Torrevieja etc. und vermittelt sie weiter. Für ihre Arbeit muss man Kerstin einen großen Respekt zollen. Sie lebt und arbeitet allein für die Tiere. Wenn man täglich über 50 Hunde mit Futter, Wasser und Medikamenten versorgen muss, kann man sich vielleicht vorstellen, was das für einen Arbeitsaufwand bedeutet.

Im Internet hatten wir zuvor Informationen über die zu vermittelnden Hunde eingeholt. “Tierschutz ohne Grenzen e.V.” hatte uns gebeten, eine taube Hündin namens Yasmina, die bei Kerstin lebte, auszufliegen.  Des Weiteren interessierten wir uns bei Kersin für einen kleinen aufgeweckten Mischlingshund namens Cesko. Nachdem wir Einiges an Hundepflege- und Tierarztutensilien aus dem Auto gepackt und Kerstin als Spende überreicht hatten, sahen wir uns Cesko und Jasmin genauer an, bevor wir die beiden nach einem kurzen Plausch mit Kerstin ins Auto setzten und zu Paula in die Auffangstation Crevillente fuhren, um uns Narnia und Fox anzusehen. Da Kerstin schon vorher wusste, welche Hunde wir mitnehmen würden, waren Yasmina und Cesko bereits ärztlich versorgt worden, Pass und Impfpapiere waren fertig. Narnia, eine Mastin Espaniol Hündin, um die es nun ging, war ebenfalls ein Wunsch des Tierschutzvereins, Fox hatten wir uns privat ausgewählt. Paula arbeitet in dem Adoptionszentrum, das der Cereco, der Tötung in Crevillente, vorgeschaltet ist. Wie bereits erklärt, bietet das Adoptionszentrum den zum Tode verurteilten Hunden eine Gnadenfrist, sozusagen einen Aufschub des Urteils. Werden sie nicht in einem gewissen Zeitraum adoptiert, holen die Mitarbeiter der Cereco sie wieder ab und bringen sie um. Die Plätze, die wir durch die Adoption von Fox und Narnia frei gemacht haben, geben also zwei weiteren Hunden die Chance auf Leben. Da wir Fox und Narnia nicht sofort mitnehmen konnten, versorgten wir auch Paula mit ein paar Sachspenden aus unserem Freundeskreis und fuhren mit Yasmina und Cesko zurück ins Ferienhaus. Dort bespaßte Cesko zunächst einmal Frau Piringers Hunde in höchstem Maße und brachte ordentlich Schwung in die Bude, während Yasmina sich als sehr zurückhaltend und etwas ungewohnt in der „Handhabung“ erwies. Man rief gewohnheitsmäßig nach ihr als Hund oder versuchte sich durch Geräusche bemerkbar zu machen, bis einem einfiel, dass sie einen ja gar nicht hören konnte. Dieses Problem würde sich in Zukunft aber ganz einfach durch das Trainieren von Handzeichen und einem Vibrationshalsband lösen lassen.

Eine ANGENEHME Überraschung :-)

An einem der folgenden Abende luden wir die Hausbesitzer, die nach den vielen Besuchen in Spanien mittlerweile zu Freunden geworden sind, zu einem gemeinsamen Essen ein. Das Ergebnis dieses Essens waren vier vollgegessene, zufriedene Hundebesitzer und eine Liebesbeziehung, die sich zwischen dem Hausbesitzer, und Cesko entwickelt hatte. Da dieser und seine Frau bereits selbst fünf Hunde besitzen, entstand eine Diskussion zwischen den beiden, ob ein sechster Hund wirklich von Nöten wäre. Unser Freund entschied den Kampf für sich, er wollte Cesko eine Nacht auf Probe mit nach Hause nehmen. Frau Piringer und ich freuten uns sehr und hofften  natürlich, dass Cesko ein neues Zuhause bei den beiden finden würde. So ergab es sich dann auch. Cesko fügte sich perfekt in das Rudel ein und wir überließen ihn den beiden zum Geburtstag. Wie man sich vorstellen kann, war unser Bekannter hoch erfreut und wir ebenfalls. Einer unserer geretteten Lieblinge hatte direkt vor Ort ein schönes neues Zuhause mitten in einem großen Rudel gefunden. Cesko geht es heute wunderbar, wir bekommen  regelmäßig Fotos von ihm und er hat bereits die Weltherrschaft im Rudel an sich gerissen.

Komplizierte Angelegenheit

Von Yasmina und Narnia, die wir ein paar Tage später mit Fox aus Crevillente holten, nachdem Paula die nötigen ärztlichen Versorgungen vorgenommen und die Papiere fertig gemacht hatte, mussten wir uns bald verabschieden. Wir fuhren sie mitsamt der Flugpatin und den Boxen, die ich noch am Abend vorher mit Kabelbindern zusammen gebastelt hatte, zum Flughafen. Dies gestaltete sich jedoch als ein äußerst schwieriges Unterfangen. Zunächst einmal stellten wir fest, dass Narnias riesige Box zusammengebaut nicht ins Auto passte, also mussten wir die Kabelbinder wieder aufschneiden und die Box so ins Auto stellen. Die Frage war nun: Wie den Hund dort hinein bekommen? Yasmina war klein und handlich und passte in ihrer Box leicht auf die Rückbank. Aber Narnia mit ihren über 60 kg und einer Schulterhöhe von über 60 cm stelle ein Problem dar. Mit vereinten Kräften hievten wir sie in den Kofferaum in die auseinandergebaute Box, nachdem wir sie vorher mit gutem Zureden von der Terrasse runter zum Auto bewegt hatten. Mit sanfter Gewalt ist bei einem Hund dieser Größe leider gar nichts auszurichten. So fuhren wir also zum Flughafen nach Valencia, unterwegs wurde Frau Piringers Auto an einer Tankstelle von einem unfähigen Autofahrer demoliert, was mehr als ärgerlich war. Während der Stunde Fahrtzeit wirkten die Beruhigungstabletten, die wir den Hunden immer geben, damit sie von dem Trubel um sie herum nicht all zu viel mitbekommen. Im Parkhaus angekommen mussten wir uns der nächsten Herausforderung stellen: Wie bekommt man einen über 60 kg schweren halbsedierten Hund aus dem Kofferraum in die Box? Es half alles nichts. Mit vereinten Kräften hoben wir sie aus dem Kofferraum in das Unterteil der Box, das wir zuvor auf den Wagen gestellt hatten. Dann setzten wir das Oberteil der Box auf und bastelten so mit den Kabelbindern die Box um Narnia herum. Sie ertrug das Handgemenge mit stoischer Ruhe. Nun blieb uns nur noch, die Patin und die Hunde zum Check in zu begleiten, dann verabschiedeten wir uns von den Dreien, wie immer, wenn wir gerettete Hunde in ein neues Leben entlassen, mit ein paar Tränchen.

Yasmina lebt heute mit der Leiterin des Tierheimes zusammen, das uns um ihren Transport gebeten hatte und auch Narnia hat ein schönes neues Zuhause gefunden, Frau Piringer erhält regelmäßig Bilder von ihr auf Facebook. Dora lebt bei einem Pärchen, das sie gleich am Tag unserer Ankunft in Deutschland abgeholt hat. Fox wurde in Pflege genommen, man will uns informieren, wenn er eine Endstelle gefunden hat.

Nachtrag: Fox hat inzwischen ein neues Zuhause gefunden, Frau Piringer steht mit seinen Besitzern in Kontakt, die sehr glücklich mit unserem “kleinen Füchslein“ sind. Dankeschön! :-)

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Unser “Füchslein“ Fox

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Die imposante Narnia

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Unser taubes Nüsschen Yasmina

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Der freche Cesko

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Die verspielte Dora